Gefrierschrank überwachen mit Home Assistant: Alarm
Gefrierschrank oder Gefriertruhe überwachen mit Home Assistant: Temperaturfühler, Türkontakt und Leistungsmessung melden Ausfall und offene Tür per Push.
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- 10 Min.
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- 52 von 52
- Thema
- Automationen

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Eine Gefriertruhe im Keller fällt meist erst auf, wenn das Eis taut. Ein Defekt, eine ausgelöste Sicherung oder ein nicht ganz geschlossener Deckel reichen dafür. Mit Home Assistant überwachst du dein Gefriergerät auf drei Ebenen: Temperatur, Tür und Stromaufnahme. Jede Ebene fängt einen anderen Fehler ab, und zusammen melden sie einen Ausfall, bevor das Gefriergut verdirbt.
Drei Ebenen statt eines Sensors
Die drei Ebenen im Überblick:
- Temperatur im Gerät: Sie zeigt das eigentliche Problem, egal ob Defekt, Stromausfall oder offene Tür. Sie reagiert aber träge, weil das Gefriergut die Kälte hält.
- Türkontakt: Er meldet, dass der Deckel oder die Tür offen steht, bevor die Temperatur steigt.
- Leistungsmessung: Läuft der Kompressor nicht mehr, sinkt die Leistungsaufnahme auf Standby-Niveau. Das siehst du früher als einen Temperaturanstieg.
Eine Überwachung ersetzt keine Sichtkontrolle.
Warum ein Fühler am Kabel?
Funk-Thermometer sind im Gefrierschrank das falsche Werkzeug. Ein Metallgehäuse schirmt Zigbee- und Bluetooth-Signale stark ab, und viele Batteriesensoren sind nur bis etwa -20 °C spezifiziert. Der Aqara-Temperatursensor WSDCGQ11LM nennt laut Datenblatt als untere Grenze -20 °C, was bei Tiefkühlung nur knapp reicht. Kälte verkürzt außerdem die Batterielaufzeit.
Besser ist ein externer Fühler: Der DS18B20 sitzt mit Edelstahlhülse im Gerät, das dünne Kabel läuft durch die Türdichtung nach draußen und die Auswertung sitzt warm und gut erreichbar außerhalb. Laut Hersteller deckt der Fühler -55 bis +125 °C ab.
Hardware: Shelly AddOn mit DS18B20
Die Auswertung übernimmt das Shelly Plus AddOn. Es ist eine galvanisch getrennte Erweiterung, die auf ein kompatibles Shelly-Gerät gesteckt wird, und nimmt laut Shelly bis zu fünf DS18B20-Fühler auf. Die Fühler gibt es separat, etwa den Shelly DS18B20 Temperaturfühler*, und das Shelly Plus AddOn* bildet die Schnittstelle.
Das AddOn braucht ein Trägergerät. Laut Shelly-Wissensdatenbank sind das unter anderem Shelly 1, 1PM und 2PM der Generationen Gen3 und Gen4. Die Plus-Generation (Plus 1, Plus 1PM, Plus 2PM) ist abgekündigt und taugt nicht mehr für Neukäufe. Kaufst du neu, nimm Gen4. Als Einstieg bietet sich das Shelly 1 Gen4* an, weil es laut Datenblatt auch mit 12 V Gleichspannung läuft.
Das ist der entscheidende Punkt für diese Anleitung: Du versorgst das Shelly 1 Gen4 aus einem fertigen 12-V-Netzteil, statt es ans 230-V-Netz zu klemmen. Die Relaiskontakte bleiben unbenutzt. Arbeite an den Klemmen nur spannungsfrei. Alles am 230-V-Netz, also auch die Variante mit 110–240 V am selben Gerät, ist Sache einer Elektrofachkraft. Am Gefriergerät selbst fasst du nichts an, der Fühler liegt lose im Innenraum.
So haben wir verglichen
Als Kriterien dienten die Eignung für Minusgrade, galvanische Trennung, Versorgung mit 12 V und die Verfügbarkeit des Trägergeräts. Datenbasis sind Herstellerangaben, Datenblätter und die Shelly-Dokumentation. Wir haben die Produkte nicht selbst getestet. Ob ein Produkt einen Affiliate-Link trägt, hat die Auswahl nicht beeinflusst.
Fühler verlegen
Lege den Fühler ins obere Drittel des Innenraums, nicht direkt an die Wand oder den Verdampfer, sonst misst du Eiskristalle statt Lufttemperatur. Du kannst ihn zwischen Gefriergut legen, damit kurze Türöffnungen die Werte nicht verfälschen. Das Kabel führst du über die Dichtung nach draußen. Prüfe nach dem Verlegen, ob der Deckel noch schließt, und kontrolliere die Dichtung bei der nächsten Abtauung.
Einrichtung in Shelly und Home Assistant
Stecke das AddOn bei ausgeschaltetem Gerät auf, schließe den Fühler an die 1-Wire-Klemmen an und richte das Gerät ein. Wähle im AddOn-Tab zuerst „Sensor Addon“ und starte über „Save and reboot“ neu. Danach fügst du den DS18B20 als Peripherie hinzu; jeder weitere Fühler wird einzeln hinzugefügt, gefolgt von einem Neustart. Die Shelly-Integration in Home Assistant legt danach eine Temperatur-Entität an. Falls sie nicht auftaucht, lade die Integration neu. Die Einrichtung der Integration selbst steht in der Anleitung zum Shelly Plug S, das Vorgehen ist bei allen Shelly-Geräten gleich.
Leistungsmessung mit dem Shelly Plug S Gen3
Für die dritte Ebene steckst du den Shelly Plug S Gen3* zwischen Steckdose und Gerät. Er misst die Leistung und liefert in Home Assistant eine Leistungs-Entität. Shelly gibt die maximale Leistung von 2500 W nur für ohmsche Lasten an. Prüfe deshalb vor dem Einsatz Typenschild und Anlaufstrom deines Geräts.
Zwei Stolpersteine:
- Der Plug kann das Gerät abschalten. Setze in den Shelly-Einstellungen den Zustand nach Stromrückkehr auf „Ein“, und schalte den Schalter nie versehentlich aus. Blende die Schalter-Entität im Dashboard am besten aus.
- Kompressoren laufen im Takt. Die Leistung fällt im Normalbetrieb regelmäßig auf Standby. Alarm gibt es deshalb erst, wenn sie über mehrere Stunden unten bleibt.
Türkontakt für den Deckel
Für die Tür oder den Deckel taugt ein Zigbee-Kontakt wie der Aqara Tür- und Fenstersensor*. Klebe ihn außen an den Rand, damit er nicht in der Kälte hängt: Sensor am Gehäuse, Magnet am Deckel. Die Grundlagen zu Zigbee-Kontakten und zur Montage stehen im Artikel zum Fenstersensor in Home Assistant. Metallgehäuse und Kellerwände dämpfen Zigbee; wenn der Kontakt immer wieder ausfällt, hilft ein Router in der Nähe.
Die Automationen
Die drei Blöcke sind Listeneinträge für die automations.yaml: Hänge sie dort untereinander an. Im YAML-Editor einer einzelnen Automation entfällt der führende Strich vor alias:, die übrigen Zeilen rücken zwei Leerzeichen nach links. Alle Entitäten heißen bei dir anders, passe die IDs an. Die Verzögerungen sind Startwerte; beobachte den Temperaturverlauf ein paar Tage und stelle sie dann nach.
Temperatur und Tür
Kurze Temperaturanstiege sind normal: Türöffnungen, frisch eingelagertes Gefriergut und bei Geräten mit automatischem Abtauzyklus auch das Abtauen wärmen den Innenraum, ohne dass etwas kaputt ist. Deshalb löst der Alarm erst nach einer Stunde über der Grenze aus. Als Richtwert für Tiefkühlung gelten -18 °C; die Schwelle von -15 °C lässt etwas Spielraum.
- alias: "Gefriertruhe: Alarm Temperatur, Tür und Fühler"
mode: queued
triggers:
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.gefriertruhe_temperatur
above: -15
for: "01:00:00"
id: temperatur
- trigger: state
entity_id: binary_sensor.gefriertruhe_deckel
to: "on"
for: "00:05:00"
id: tuer
- trigger: state
entity_id: sensor.gefriertruhe_temperatur
to: ["unavailable", "unknown"]
for: "00:30:00"
id: fuehler
actions:
- action: notify.mobile_app_dein_handy
data:
title: "Gefriertruhe prüfen"
message: >-
{% if trigger.id == 'temperatur' %}
Temperatur seit einer Stunde über -15 °C (aktuell {{ states('sensor.gefriertruhe_temperatur') }} °C).
{% elif trigger.id == 'tuer' %}
Deckel seit fünf Minuten offen.
{% else %}
Temperaturfühler seit 30 Minuten nicht erreichbar.
{% endif %}
Der dritte Trigger ist wichtig. Fällt der Fühler oder der Shelly aus, liefert Home Assistant unavailable oder unknown statt eines Werts, und der Temperatur-Trigger löst nie aus. Ohne diesen Fall wärst du genau dann blind, wenn etwas schiefgeht.
Auch for hat eine Schwäche: Laufende Zeiten verfallen bei einem Neustart von Home Assistant (und beim Neuladen der Automationen). War die Temperatur schon zu hoch oder der Deckel schon offen, löst ohne neuen Zustandswechsel nichts mehr aus. Deshalb prüft eine zweite Automation beim Start den Zustand und meldet nur, wenn er die ganze Wartezeit über bestehen bleibt:
- alias: "Gefriertruhe: Prüfung nach Neustart"
triggers:
- trigger: homeassistant
event: start
actions:
- if:
- condition: state
entity_id: binary_sensor.gefriertruhe_deckel
state: "on"
then:
- wait_template: "{{ not is_state('binary_sensor.gefriertruhe_deckel', 'on') }}"
timeout: "00:05:00"
- if: "{{ not wait.completed }}"
then:
- action: notify.mobile_app_dein_handy
data:
title: "Gefriertruhe prüfen"
message: "Deckel seit dem Neustart offen."
- if:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.gefriertruhe_temperatur
above: -15
then:
- wait_template: "{{ states('sensor.gefriertruhe_temperatur') | float(-99) <= -15 }}"
timeout: "01:00:00"
- if: "{{ not wait.completed }}"
then:
- action: notify.mobile_app_dein_handy
data:
title: "Gefriertruhe prüfen"
message: "Temperatur seit dem Neustart über -15 °C."
Schließt sich der Deckel, sinkt die Temperatur auf -15 °C oder liefert ein Sensor kurz keinen Wert, endet das Warten ohne Meldung. Nach dem bloßen Neuladen der Automationen startet sie nicht, prüfe dann kurz selbst.
Kompressor läuft nicht mehr
Ein numeric_state-Trigger mit for feuert nur beim Unterschreiten der Schwelle und startet nach einem Neustart oder Neuladen der Automationen neu. Liegt die Leistung dann schon unter 3 W, bliebe die Meldung aus. Deshalb merkt sich ein Helfer (input_datetime.gefriertruhe_letzter_lauf, unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Helfer als „Datum und Uhrzeit“ anlegen) den letzten Lauf, und eine zyklische Prüfung vergleicht ihn mit der Uhr. Der Helfer behält seinen Wert über Neustarts, hat nach dem Anlegen aber noch keinen gültigen Wert. Die Prüfung behandelt das ausdrücklich und meldet dann „noch kein Lauf gespeichert“. Läuft der Kompressor schon, trägt die erste Synchronisation nach spätestens 15 Minuten einen Zeitpunkt ein.
- alias: "Gefriertruhe: Kompressorlauf merken"
triggers:
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.gefriertruhe_plug_leistung
above: 3
- trigger: time_pattern
minutes: "/15"
- trigger: homeassistant
event: start
conditions:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.gefriertruhe_plug_leistung
above: 3
actions:
- action: input_datetime.set_datetime
target:
entity_id: input_datetime.gefriertruhe_letzter_lauf
data:
datetime: "{{ now().strftime('%Y-%m-%d %H:%M:%S') }}"
- alias: "Gefriertruhe: Alarm Leistungsaufnahme"
triggers:
- trigger: time_pattern
minutes: "/15"
id: kompressor
- trigger: homeassistant
event: start
id: kompressor
- trigger: state
entity_id: sensor.gefriertruhe_plug_leistung
to: ["unavailable", "unknown"]
for: "00:15:00"
id: plug
conditions:
- condition: template
value_template: >-
{% set lauf = states('input_datetime.gefriertruhe_letzter_lauf') | as_datetime(none) %}
{{ trigger.id == 'plug' or
(states('sensor.gefriertruhe_plug_leistung') | is_number and
states('sensor.gefriertruhe_plug_leistung') | float <= 3 and
(lauf is none or (now() - (lauf | as_local)).total_seconds() > 10800)) }}
actions:
- action: notify.mobile_app_dein_handy
data:
title: "Gefriertruhe: kein Strom?"
message: >-
{% if trigger.id == 'kompressor' %}
Seit über drei Stunden kein Kompressorlauf (oder noch kein Lauf gespeichert).
{% else %}
Der Plug ist seit 15 Minuten nicht erreichbar. Sicherung oder Stromausfall?
{% endif %}
Der Alarm wiederholt sich alle 15 Minuten, solange ein gültiger Messwert unter 3 W liegt und kein Lauf erkannt wurde.
Die drei Stunden gelten für ein Gerät im kühlen Keller, das lange Pausen zwischen den Läufen macht. Bei einem Gerät in der warmen Küche kannst du kürzer wählen. Unterwegs kommt die Push-Meldung bei Stromausfall nur an, wenn Home Assistant, Router und Internetanschluss weiterlaufen: Wie du den Server mit einer USV absicherst, steht im Artikel zur USV mit NUT. Wie die Benachrichtigung auf dem Handy ankommt, erklärt der Artikel zu Telegram und Pushover.
Praktische Hinweise
- Alarm testen: Löse jede Meldung einmal bewusst aus, zum Beispiel mit offenem Deckel oder gezogenem Fühler, bevor du dich darauf verlässt.
- Kühlschrank: Die Logik bleibt gleich, nur die Schwelle ändert sich. Für den Kühlschrank passt etwa +8 °C, die Verzögerung kannst du bei einer Stunde lassen.
- Handy: Gewöhnliche Benachrichtigungen bleiben bei stummem Handy leise. Für kritische Alarme ergänzt du in den
notify-Aktionen unterdata:je nach Betriebssystem eine zweitedata:-Ebene. Auf iOS:push: {sound: {name: default, critical: 1, volume: 1.0}}, dazu die Freigabe unter Einstellungen → Mitteilungen → Home Assistant → Kritische Hinweise. Auf Android:ttl: 0,priority: highundchannel: alarm_stream.
FAQ
Reicht ein Funk-Thermometer im Gefrierschrank?
Meist nicht: Metall dämpft das Funksignal, und viele Batteriesensoren sind nur bis etwa -20 °C ausgelegt. Robuster ist ein DS18B20-Fühler am Kabel.
Wie viele Fühler verträgt das Shelly Plus AddOn?
Laut Shelly bis zu fünf DS18B20, genug für Gefriertruhe, Kühlschrank und Kellerraum an einem Gerät.
Brauche ich dafür eine Elektrofachkraft?
Nicht, wenn du das Trägergerät mit 12 V Gleichspannung aus einem fertigen Netzteil betreibst und nur den Plug in die Steckdose steckst. Alles, was ans 230-V-Netz geklemmt wird, gehört in die Hand einer Elektrofachkraft.
Warum gibt es Fehlalarme bei der Temperatur?
Türöffnungen, frisches Gefriergut oder ein automatischer Abtauzyklus lassen die Temperatur kurz steigen. Die Verzögerung von einer Stunde fängt das ab. Siehst du trotzdem Fehlalarme, hebe die Schwelle oder die Dauer leicht an.
Fazit
Wer ein Gefriergerät im Keller hat, bekommt mit rund drei Bausteinen eine brauchbare Überwachung. Den größten Nutzen hat der Fühler am Kabel: Er misst direkt, was zählt. Die Leistungsmessung erkennt einen ausbleibenden Kompressorlauf auch ohne Fühler, und der Türkontakt ist nett, aber verzichtbar. Für wen sich das nicht lohnt: Wer das Gerät täglich sieht und kaum Vorräte lagert, kommt ohne aus. Die Überwachung bleibt eine Ergänzung, keine Garantie. Ein Wassermelder gegen Tauwasser im Keller, wie im Artikel zum Wassermelder in Home Assistant beschrieben, rundet das Setup ab.


